Montag, 14. Dezember 2009

Freue Dich!

Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! Freu dich, und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem!

Dies ist die Botschaft des Propheten Zefanja für das Volk Jahwes in der Zeit der Unterdrückung und Verbannung. Nicht als hätte sich das Schicksal dieses Volkes schon zum Bessern gewendet, sondern als Ausblick auf die Zeit der Rettung, auf die Zeit, wo alle erkennen werden, dass Gott die Seinen nicht verlassen hat, sondern in ihrer Mitte ist. Zefanja blickt als Prophet in die Zukunft und verheißt eine neue liebende Zuwendung Gottes zu seinem Volk. Er verheißt die Rettung.
Vertröstet er demnach die, zu denen er gesandt ist? Vertröstet er mit dem Blick auf die Zukunft, auf das, was "danach" kommen wird?
Ganz im Gegenteil!
Denn bevor er sich in seinen Worten in die Zukunft wendet, spricht er über die Gegenwart: Jetzt - ist der Herr in deiner Mitte, du brauchst dich nicht zu fürchten. Darum kannst du dich heute schon freuen, und nicht erst in der Zukunft.
Mit dieser Verheißung wendet sich die Liturgie des heutigen dritten Adventssonntags auch an uns und nimmt dabei das Thema dieses Sonntags auf: Gaudete - Freut euch!
Freu dich! Ja, worüber sollen wir uns denn freuen? Was, wenn uns gar nicht zur Freude zumute ist, was, wenn wir von Sorgen niedergedrückt werden, wenn wir keinen Grund zur Freude haben? Und im Blick auf unsere Welt: gibt es da vieles, worüber wir uns freuen könnten? Eher könnten wir doch Mut verlieren, wenn wir uns die tagtäglichen Nachrichten vor Augen halten, die uns die Medien vermitteln. Und wenn wir unser eigenes Leben anschauen? Vielleicht gibt es die eine oder den anderen von uns, der sich heute freut über etwas, das gelungen ist, über etwas, das zu einem guten Abschluss gekommen ist, über ein gutes Wort oder einen schon erwarteten Besuch. Vielleicht aber müssen wir auch enttäuscht und resigniert sagen: alles wird mir zuviel, ich bin einsam und allein. Es braucht nicht viel Nachdenken, um sich seiner momentanenen Befindlichkeit bewusst zu werden.

Dennoch: Freu dich! Freu dich, denn Gott ist in deiner Mitte. Du bist nicht allein, denn Er, den wir in dieser Adventszeit erwarten, auf dessen Kommen an Weihnachten wir uns vorbereiten, Er ist schon da, und er ist gerade auch in den schweren und dunklen Stunden da. Er ist da in allem Elend dieser Welt, Er ist da in allem Versagen, Er ist da in unserer Einsamkeit und in unserer Verzweiflung. Du brauchst dich nicht zu fürchten. Er ist da, wo wir meinen, dass Er abwesend ist und uns unserem Schicksal überlässt.

Die Botschaft des heutigen Sonntags scheint so ganz unserem Denken zu widersprechen. Sie kann paradox, unrealistisch, billig vertröstend klingen. Wenn wir sie jedoch ernst nehmen, dann führt sie uns zu der Gewissheit, die die Hl. Theresia von erfüllte, und der sie Ausdruck gab mit den Worten: "Nichts soll dich ängstigen, nichts dich erschrecken. Alles vergeht; nur Gott besteht. Geduld erreicht alles; wer Gott besitzt, dem kann nichts fehlen; Gott allein genügt.

Eine solche Zuversicht schenkt eine Freude, die niemand und nichts nehmen kann. Und diese Freude wünsche ich uns allen. AMEN.

Vgl. Ilsemarie Weiffen, Der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte, in: Praedica Verbum 114 (2009), 683f.

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