Montag, 28. September 2009

Außenseiter sind wichtig

Liebe Gäste,

In der 1. Lesung und im Evangelium dieses Sonntags begegnen wir geisterfüllten Menschen, die Gutes tun, sich aber nicht der Gemeinde anschließen. So etwas gibt es immer wieder, damals wie heute (das kenne ich auch in unserer Gemeinde, das ist auch bei Ihnen bekannt).

Aber ess gab und gibt es immer wieder Gläubige, die solche Außenseiter kritisieren und an ihren Aktivitäten hindern wollen. Sie sagen sich und gelegentlich auch anderen: „Wo kämen wir da hin, wenn jeder machen kann, was er will!“

Damals sollten Mose und später Jesus der „Konkurrenz“ außerhalb der Gemeinde Einhalt gebieten. Doch diese tun es nicht, im Gegenteil (was wir heute in den Lesungen hören). Stellen wir uns vor! Mose sagt: „Wenn nur das ganze Volk zu Propheten würde“, und Jesus sagt: „Lasst sie. Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns!“ Es ist nun einmal so: Eine Gemeinde oder Kirche kann der Heiligen Geist nicht pachten. Er weht bekanntlich, wo Er will.

Es gab und gibt eine Reihe von Außenseitern in und außerhalb der Kirche, die es schwer hatten oder haben, von offizieller Seite mit ihren Anliegen akzeptiert zu werden. Auch unter späteren Heiligen… Wir können denken z. B. an den Hl. Franz von Assisi, dessen Ordensregel der damalige Papst am Anfang nicht anerkennen wollte. Es bedurfte vieler Gespräche, bis dies doch gelang. Wir können denken auch an Hl. Theresia von Avila und Katharina von Siena mit ihrer Kritik an der Kirche. Sie stießen mit ihren Reformvorschlägen im Klosterleben auf heftigen Widerstand. Große Schwierigkeiten hatte auch die Liturgische Bewegung, die in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg oft heimlich das tat, was später auf dem II Vatikanischen Konzil zur Liturgiereform führte.

Angesichts dieser und anderer Tatsachen müssen wir uns fragen, was zu tun ist. Jesus fordert uns dazu auf, das Gute, wo immer es geschieht, nicht zu behindern, sondern zu unterstützen. Es wäre nicht vernünftig, durch Engstirnigkeit, den Geist Gottes in seiner Wirkung zu behindern.

Wer von uns kennt nicht das Lied vom Geist des Herr, das Maria Luise Thurmair 1941 geschrieben hat. Da heißt es in der vierten Strophe:

„Der Geist des Herrn durchweht die Welt

Gewaltig und unbändig;

Wohin sein Feueratem fällt,

wird Gottes Geist lebendig.

Da schreitet Christus durch die Zeit

In seiner Kirche Pilgerkleid,

Gott lobend: Halleluja.“

Es geht also nicht darum, die Kirche zu kritisieren und gar zum Außenseiter zu werden. Kirchentreue ist wichtig und die Zusammenarbeit mit der Kirchenleitung zu suchen. Es ist aber auch wichtig, dem Geist Gottes Raum zu geben, kleinkarierte Enge zu überwinden und Weite zu praktizieren. Jesus selbst hatte eine herzerfrischende Weite und setzte sich dafür ein.

Für uns und unsere Kirche gilt, Ausgrenzung aus Konkurrenzangst oder Konkurrenzneid zu vermeiden und darum bemüht zu sein, alle positiven Kräfte in den Weltdienst der Kirche mit einzubeziehen. Dazu gehört sicherlich viel Verständnis und Liebe, wozu Christus uns ermutigt und befähigt.

Vgl. Heinrich Bücker, Der Umgang mit den Außenseitern (1.L/Ev), in: Der Prediger und Katechet 145 (2006), 722-724.

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