Donnerstag, 4. Juni 2009

Im Geist Gottes "sonnen"

Liebe Schwestern und Brüder,

Ich möchte nun zwei Bilder aus unserer christlichen Tradition erwähnen, die uns dazu Anregung geben können, dem Geheimnis dieses Festes, also dem Wirken des Heiligen Geistes ein wenig nachzuspüren.
Schon ein Kirchenvater vom IV. Jh (genau Cyrill von Jerusalem) vergleicht den Hl. Geist einmal mit dem Regen und mit den Strahlen der Sonne. Er sagt – dem Sinn nach: Es ist der eine Regen, der vom Himmel kommt. Aber er passt sich der Eigenart der Wesen an, die ihn aufnehmen. So hat der eine Regen vielfältige Wirkungen: anders ist seine Wirkung in der Palme, anders im Weinstock, anders in allen übrigen Wesen.
So ist es auch mit dem Heiligen Geist: Er ist einer und hat die eine gleiche Gestalt und ist unteilbar. Doch jedem teilt Er seine besondere Gabe mit, wie Er will. Und obwohl es der eine Geist ist, wirkt Er doch nach dem Willen Gottes und im Namen Christi viele unterschiedliche Gnadengaben.
Bei dem einen benutzt Er die Rednergabe zur Verkündigung der Weisheit Gottes. Einem anderen schenkt die Gnade, die Heilige Schrift gut zu verstehen und so weiterzugeben. Einem anderen verleiht er das innere kraftvolle Maßhalten, den anderen lehrt er das Erbarmen, einen weiteren das Fasten. Wieder einen anderen lehrt er, das Irdische gering zu achten, einen anderen macht er bereit für das Martyrium. In dem einen wirkt er dies, in dem anderen das. Und Er bleibt doch stets derselbe Heilige Geist.
Nun auf uns übertragen bedeutet es: bei dem einen bewirkt der Geist, dass er z.B. in der Gemeinde Aktionen gut organisieren kann, bei dem anderen, dass er gekonnt Leitungsaufgaben im Pfarrgemeinderat oder im Verwaltungsrat übernimt. Bei wieder anderen, dass sie einfühlsam Gespräche führen können (vor der Kirche oder zu Hause, mit Nachbarn), bei wieder anderen, dass sie tapfere Eltern sind, auch wenn sie Enttäuschungen zu tragen haben. Im Grunde genommen kann jeder und jede die Gabe, die er oder sie hat, einmal so ansehen, dass genau in der Entfaltung dieser Gaben die Gnadengabe des Heiligen Geistes VOLL zur Wirkung kommen will.
In unseren Begabungen kommt nämlich Gottes Geist zur Wirkung(!)
Ähnlich ist das zweite Bild, dass Cyrill von Jerusalem aufgreift. Dort vergleicht er den Heiligen Geist mit den Strahlen der Sonne. Er sagt: Das Wohl eines Sonnenstrahles ist bei dem, der ihn genießt, als gäbe es ihn allein. Und doch leuchtet er über Land und Meer und durchdringt den Luftraum. So ist es auch mit dem Heiligen Geist. Er ist bei jedem, der für Ihn empfänglich ist, als gäbe es nur Ihn allein, und doch schenkt Er allen die hinreichende Gnade – Hilfe. Die an Ihm teilhaben, genießen Ihn je nach der Fähigkeit ihrer Natur, und nicht nach der vollen Möglichkeit des Geistes selbst.
Liebe Schwestern und Brüder,
Cyrill von Jerusalem leitet uns also an, unser Leben als ein Leben zu verstehen, in dem wir ganz persönlich von Gott gemeint und getragen sind. Wir dürfen die Art, die Gott uns mitgegeben hat, als eine Weise ansehen, in der Gottes Geist wirken will. Wenn wir unser Selbst, das Gott uns geschenkt hat, mit seiner Hilfe und Gnade verwirklichen, dann ist Gottes Geist in unserem inneren Kern gegenwärtig und wirkt. Deswegen dürfen wir vor Gott ganz wir selber sein, anders gesagt –einfach gesagt: so dürfen wir uns im Geist Gottes „sonnen“... Tun wir es!



Vgl. Franz Richard, Lesepredigt: Regen und Sonne – zwei pfingstliche Symbole, in: PrKat 147 (2008) 389-392.