Liebe Schwestern und Brüder,
Wir finden das Herz-Bild als Bekenntniszeichen z.B. auf der Heckscheibe mancher Autos: Ein Herz für Kinder. Ein Herz für Tiere. Ein Herz für eine bestimmte Stadt oder Region. Damit will man sagen: Das ist mir ganz wichtig. Dafür setze ich mich ein. Das ist mir ein Herzensanliegen. Jenseits der Herz-Schmerz-Idylle mancher Schlager hat das Herz-Bild einen guten Klang. Es legt die Grundhaltung eines Menschen offen, der von Zuneigung und verbindlicher Beziehung geprägt ist.
Das Herz-Bild gilt auch als Zeichen, Symbol Gottes in der Bibel. Gott ist den Menschen zugeneigt von Anfang an. Sein Schöpfungswerk läuft auf die Erschaffung des Menschen zu, den Er als sein Abbild mit einer unverlierbaren Würde beschenkt. Gott bindet sich an das Volk Israel – seine erste Liebe – und befreit es aus der Knechtschaft Ägyptens. Gott wir erfahren als Verteidiger der Armen, Witwen und Waisen. Die Propheten werden nicht müde, seine zärtliche Liebe zu beschreiben, die dann allerdings auch als Antwort des Menschen Barmherzigkeit erwartet. „Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer“ – sagt Prophet Hosea (Hos 4,2). Gottes Bermherzigkeit ist sogar größer als sein Zorn über die Abwege seines Bundespartners. So besingen z.B. die Psalmen Gottes ewig währendes Erbarmen (Ps 136).
Menschen haben jedoch auch andere Erfahrungen gemacht, wenn der Glaube an den barmherzigen Gott auf eine harte Probe gestellt wurde. Die Bibel spricht auch vom zornigen, eifersüchtigen, gewalttätigen Gott. Er kann schweigen und sich entziehen. Er kann strafen und in die Verbannung führen. Solche und ähnliche Erfahrungen lassen uns (einfach) verstummen... Wir sind aber herausgefordert, gegen allen Augenschein und trotz allem zu vertrauen, dass wir es mit einem Gott zu tun haben, dem wir Menschen ein Herzensanliegen sind.
Die feste Überzeugung, dass wir uns nicht einfach einem herzlosen Zufall oder Schicksal verdanken, sondern dem beziehungswilligen Gott, dürfen wir festmachen an der Person und Lebensgeschichte Jesu Christi. Er ist der Mensch und aus der Herzensmitte Gottes - Gott. Er hatte ein Herz für die Kinder, Frauen und Fremden. Den Sündern war er ein Freund. Er hatte ein Herz für die, mit denen sich andere nicht unbedingt sehen lassen oder an einen Tisch setzen wollten... Durch sein Lebensverhalten bis zuletzt ist uns unmissverständlich zugesagt worden, dass Gott uns an seiner Seite haben und an sich ziehen möchte. Denn die Sehnsucht Gottes ist der Mensch –sind WIR. Das ist die Botschaft des heutigen Herz-Jesu-Festens. Wir dürfen sie hören und feiern in der Überzeugung, dass einer da ist, der zu uns und hinter uns steht. Er ist einer, der uns einlädt, alle Belastungen und Sorgen zu ihm zu brignen und bei ihm auszuruhen.
Liebe Schwestern und Brüder,
Wer sich diese Botschaft zu Herzen nimmt, der wird in dem Bewusstsein leben:
- Wir sind Jesu Hände, die Menschen versöhnen und pflegen.
- Wir sind sein Mund, der von Gott und seiner Vision von dieser Welt spricht.
- Wir sind seine Augen, die sich dem Leid und der Freude der Menschen nicht verschließen.
- Wir sind sein Herz, das offensteht für belastete Menschen.
- Wir sind seine Füße, die auf den Straßen unseres Ortes mit einer frohen Botschaft unterwegs sind.
- Wir sind die Fortsetzung des Wirkens Jesu heute – in anderer Gestalt und mit anderen Mitteln.
Wo immer das geschieht, da wird die göttliche Barmherzigkeit konkret erfahren.
Amen.
Vgl. Heribert Zerkowski, Barmherzigkeit – die Grundmelodie Gottes, in: PrKat 147 (2008) 432-434.
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