Montag, 9. Februar 2009

Wo kann ich Gott finden?

Liebe Schwestern und Brüder, 

wir wissen es alle, die Gestaltung des Sonntags hat sich mitlerweile gewandelt. Was man früher ganz selbstverständlich am Sonntag machte, ist heute nicht mehr der Fall. In die Kirche kommen (statistisch gesehen) in unserem Land 10 % Mitglieder der Gemeinden.  Dies kann man (ein bisschen übertrieben) mit einem Gedicht zum Ausdruck bringen:
Wo bleibt Gottes Ehr? Viele Kirchen sind fast leer.
Die Glocke ruft zum heil´gen Ort, doch man muss weg zu Spiel und Sport, / Mit Reisebus und mit der Bahn – kein Gottesdienst im Tagesplan. / Der eine rast im Auto durch die Welt, der andere sich sein Feld bestellt. / Der Dritte werkt an seinem Haus – so treibt man Gottes Segen aus. / Ist Sonntag nicht mehr Tag des Herrn, verlischt im Leben Stern um Stern. / Ist Gottes Wille nicht mehr Norm, verliert das Leben Halt und Form. Macht man nicht zur rechten Zeit noch kehrt, wird man auf andere Weis´ belehrt: 
Es löst sich alle Ordnung auf, das Unheil nimmt nun seinen Lauf.
Nicht Gott lässt seine Welt im Stich – nein: umgekehrt verhält es sich!
Vergessen ist, der für uns litt, drum folgt der Fluch auf Schritt und Tritt.
Und einmal kommt das End – o Christ – was dann? O, Herr, rette mich?..
Könnte es sein, dass Menschen von heute Gott micht mehr brauchen? Unser Gedicht würde dies nahelegen.  Es ist zwar wahr, dass in die Lebensplanung der Menschen von heute Kirche und Sakrament nicht mehr so gut hineinpassen, aber zu besonderen Gelegenheiten wird noch von Vielen die Kirche besucht: Begräbnis, Taufe und Trauung... Deswegen bin ich überzeugt, dass trotz der pessimistischen Äußerungen auch die Menschen von heute auf der Suche nach Gott sind. Es gibt kaum jemanden, der von sich sagen würde, dass er nichts und gar nichts glaubt. Dafür gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, gerade auch aus neuester Zeit. Es kann sogar belegt werden, dass gerade junge Menschen jetzt im beginnenden dritten Jahrtausend von Haus aus religiöser sind als ihre Eltern und Großeltern in der Mitte und zum Ende des 20. Jhs. hin. Aber die Meisten sprechen von einem Glauben in ihrem Inneren (der Glaube hat sich individualisiert). Dies will zum Ausdruck bringen, was Glaube ist, wie Gott ist und was er von einem verlangt. In diesem Zusammenhang wäre es wichtig, dem Menschen von heute den Zugang zu Jesus Christus wieder neu zu eröffnen. Und über den Glauben an Jesus Christus könnte vielleicht das Verständnis für seine Kirche und ihre Sakramente auch wieder wachsen..
Und was hören wir heute im Evangelium? Da ist Jesus in Galiläa. Er predigt und heilt die Kranken. Bestimmt ist Mehrzahl von damals nicht wegen seiner Predigten gekommen, sondern einfach um Wunder zu erleben (so wie auch in der Gegenwart Menschen auf Wunder aus sind (es haben wollen;)) Wundersüchtigkeit ist keine neue Zeiterscheinung. Sie gab es immer. Doch die Wunder waren werder Hauptsache, noch Kern, noch Inhalt seiner Predigten. Mit seinen 
Zeichen und Wundern wollte er Menschen darau aufmerksam machen: Seht her, was ich euch vom Reich Gottes erzähle, das existiert wirklich. Was mich immer an der heutigen Evangelienstelle besonders berührt, heißt es wörtlich: „In der Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und begab sich an einen einsamen Ort, um zu beten.“ Mich spricht diese Stelle deswegen so besonders an, weil von Dunkelheit die Rede ist – eine Beschreibung, die in vielen Fällen  auch für unsere Zeit zutrifft. Jesus braucht und sucht das Gespräch mit seinem Vater-Gott – ein Heinweis, dass auch wir ohne das Gebet, ohne das Gespräch mit Gott als Christen nicht existieren können. Und wenn es damals hieß: "„Alle suchen Dich“ – bin ich überzeugt, dass dies auch in unserer Gegenwart auf unsere Mitmenschen und natürlich auf uns selber zutrifft. Auch wir suchen Gott. Nur sieht diese Gottessuche eben sehr unterschiedlich aus... Aber wo können wir IHN eigentlich finden?.. 
Wo ich meinen Alltag in Anstand (Würde) und Veratwortung führe, dort kann ich Gott finden. Wo ich nicht allein für mich lebe, sondern auf das Leben meiner Mitmenschen ebenso achte, da kann ich Gott finden. Wo mir Schicksal auch weit entfernter Meschen nicht einfach egal ist, da bin ich auf einem guten Weg. Wo ich das Gespräch mit Gott führe, bekomme ich irgendwann garantiert eine Antwort. Wo ich sein Angebot annehme, mit seiner und in seiner Kirche zu leben, da finde ich Gemeinschaft mit ebenfalls Gläubigen und Gemeinschaft mit dem Herrn meines Lebens. Wo ich im Gotteshaus meinen Glauben vor den Mitmenschen, Nachbarn zeige, kann ich anderen Mut zum eigenen Glauben machen. Wenn ich bereit bin, mich im Leben der Gemeinde zu engagieren, wird das Leben anderer bereichert, aber auch mein eigenes Leben. Wo ich mich in den Sakramenten von Jesus Christus beschenken lasse, erhalte ich Kraft, auch schwierige Lebenssituationen durchzustehen und zu meistern. Beten wir darum vom Herzen, dass wir und alle Menschen IHN, den Herrn des Lebens wirklich suchen und finden mögen. Und darum zum Schluss die Fortsetzung des Gedichts vom Anfang, allerdings weniger pessimistisch:
Nicht Gott lässt seine Welt im Stich – nein, er zählt auf mich.
Er, der für uns lebte und auch litt, ihm soll ich folgen auf Schritt und Tritt. / Damals alle suchten ihn – mit seinen Zeichen wies er hin
Auf den Gott, der wahres Glück uns schenkt, wenn auch nur einer an ihn denkt. / Drum dank´ ich ihm, dem Herrn des Lebens, denn keine gute Tat ist je vergebens. 
Darum gilt für Sie und auch für mich: Herr Jesus Christ, wir suchen und finden Dich.

Amen.

Vgl. Wolfgang Oberröder, „Alle suchen dich“, Zum Evangelium: Mk 1, 29-39, 5. Sonntag im Jahreskreis, in: PrV 114 (2009) 71 - 74.

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