Montag, 5. Januar 2009

Weiterhin Weihnachten?-)

Liebe Gäste,
Zuerst einmal darf ich Ihnen allen heute von Herzen noch einmal gesegnete Weihnachten wünschen!  Der Weihnachtsfestkreis endet ja erst mit dem Fest Taufe des Herrn, diesmal also in eine Woche am 11. Januar (traditionell bis zum 2. Febr.)
Am heutigen 2. Sonntag nach Weihnachten hören wir dazu Weihnachtsevangelium. Doch jetzte müssen wir ohne Engel auskommen, ohne Krippe mit Ochs und Esel, ohne Hirten auf dem Felde, ja – sogar ohne Maria und Josef!.. Ganz philosophisch kommt das Weihnachtsevangelium des Johannes vor. Wir haben also schwere „Kost“ vor uns. Immer wieder ist vom Wort die Rede, das bei Gott war und zu uns gekommen ist. Da denkt man natürlich schnell an die Erfahrungen, die wir mit Worten haben. Jahr für Jahr machen wir die bedauerliche Erfahrung, wie wenig wir selbst den eigenen Worten trauen können. Der Geist ist zwar willig, doch das Fleisch ist schwach...Die guten Vorsätze für das neue Jahr werden nicht von allen 100% durchgehalten. Oder?...
Es ist klar, dass die Sprache der Verständigung, der Kommunikation dient. Doch wohin wir auch schauen: Menschen haben Probleme mit Worten. Manchmal, wie jetzt im Nahen Osten, da fehlen auf einmal die Worte oder sie werden gebrochen. Oft meinen wir, „der Worte sind genug gewechselt“, und man schreitet zur Tat, die jedoch meistens eher eine Untat ist. Und dafür findet man dann bald keine Worte mehr! - Häufig wird es hoch und heilig versprochen: Da gebe ich Ihnen  mein Wort drauf!.. Doch wenn der andere ihn dann beim Wort nimmt, ist dem Ehrenwort die Ehre häufig genug abhanden gekommen (verloren gegangen). Manche führen überall das große Wort, doch eigentlich könnten sie sich ihre Worte sparen. Mit anderen Worten: Wer die Wortführer kennt, der weiß, wie viele ihrer großen Worte nur Schall und Rauch sind (k.Bedeutung). Sogar das feierliche JA-Wort vor dem Traualtar gilt bei immer mehr Paaren nur noch für die guten Zeiten, denn die schlechten Tage will man nicht mehr gemeinsam durchleiden... Worte können also froh machen, aber Worte können auch jemanden fertig machen, jemanden ins Abseits stellen, jemanden zum Schweigen bringen. Und wir selbst sind nicht skeptisch geworden gegenüber Worten?..
 Im Evangelium geht es auch um das Wort. Aber es ist ein Wort, das Wort, das Wort Gottes. Ein einziges Wort, ein einziger Gedanke genügt – und alles, was Gott will, das geschieht. Sofort zu Beginn der Heiligen Schrift zeigen uns die Aussagen über die Schöpfungsgeschichte, was ein Wort Gottes bewirkt: „Und Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.“ Gottes Machtwort schenkt Licht, Gottes Wort schenkt Leben. Bei jedem weiteren Schritt der Schöpfungsgeschichte heißt es im biblischen Text immer genau gleich: „Gott sah, dass es gut war.“ Gottes Wort ist Ausdruck seiner unbegreiflich großen Liebe. Was Gott damit in Bewegung setzt, ist gut. Gut – das heißt: genau so, wie von Gott gewollt, genau so gut wie Gott. Ja, das Wort ist sogar identisch mit dem, der es ausspricht. So heißt es im heutigen Evangelium: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“ Wenn Gott uns sein Wort gibt, dann schenkt er uns sich selbst.
 Heute geht es im weihnachtlichen Evangelium des Johannes, der selbst Jünger Jesu und Augenzeuge war, genau darum. Gottes Leben und Gottes Licht kommen zu den Menschen. Gott liebt seine Menschen so sehr, dass wir ihn selbst empfangen dürfen. An Weihnachten kommt er selbst in seinem Sohn zu uns, und er leuchtet in unserer Finsternis. Übrigens für den Begriff „das Wort“ steht im griechischen Original das Wort „Logos“. Darin erkennen wir unseren Begriff „logisch“, der auch in Begriffen wie Biologie oder Theologie enthalten ist. Er bedeutet so viel wie Sinn, Wort, Kraft oder Tat. Das bedeutet: An Weihnachten geht es um eine ganz tiefe Wahrheit, um die Offenlegung von etwas, was uns bisher verborgen war. Es geht wirklich um die Sinn-Frage, um die Frage, was die ganze Schöpfung für einen Sinn hat und was die Welt im Innersten zusammenhält. Alles ist in Gottes Hand. Und an Weihnachten ist dieser Gott uns in seinem Sohn ganz, ganz nahe gekommen.
Johannes und die christlichen Gemeinden mussten in den Jahrzehnten nach Jesu Tod und Auferstehung auch enttäuscht erleben, dass die Finsternis in den Herzen vieler Menschen das leuchtende Licht für sich ablehnte. Diese Ernüchterung merkt man dem heutigen Text auch an. Nur eine Minderheit bekehrte sich, nahm Gottes Geschenk an und wurde selbst zu Christen... Doch die Menschwerdung Gottes war und ist kein Spiel, sondern blutiger Ernst. Man lese es selbst in der Leidensgeschichte Jesu nach.
 Johannes formuliert dann weiter: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ Genauer heißt es im Urtext allerdings nicht einfach nur wohnen, sondern „zelten“. Gott schlägt mitten unter uns sein Zelt auf – was für ein schönes Bild! -
Gott ist mittendrin im wirklichen Leben. So wie die Israeliten früher jahrelang weiterzogen bis ins Gelobte Land und die Bundeslade immer dabei hatten, so ist Gott in Jesus zu uns gekommen, mitten hinein in unser Glück und Leid, in unsere Hoffnung und Enttäuschung, in unsere Freude, unseren Schmerz. Er hat uns nicht im Dunkeln sitzen lassen. Er ist da, wo wir sind. Er zieht mit uns in unserer Unstetigkeit, wenn wir mal wieder irgendwo die Zelte abbrechen müssen auf dem Weg zu unserem Ziel. Er geht mit, durch dick und dünn. Seine Weihnachtsgrüße stehen nicht nur auf dem Papier. 
Iim Evangelium heißt es auch: „…und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.“ Johannes schreibt ausdrücklich: „Wir haben…“ Das soll heißen: Wer dem Mensch gewordenen Jesus nicht die Türe vor der Nase zuschlägt, sondern wer ihn zu sich hereinbittet, der wird ihn auch kennen lernen. Das hat Johannes nicht nur allein erlebt, sondern mit ihm viele Christen in den Gemeinden, damals und heute.
Liebe Schwestern und Brüder, 
Jesus ist für uns der Weg, die Wahrheit und das Leben, wie er auch von sich selbst im Evangelium  sagt (Joh 14,6). Wer ihn gesehen hat, der hat den Vater im Himmel gesehen. Gott lässt diejenigen, die ihn bei sich aufnehmen, nicht im Dunkeln sitzen. Wer ihn wirklich bei sich aufnimmt, bekommt die Kraft, ein Gotteskind zu werden. Dann muss man nicht mehr schwarz sehen. Dann darf man weiterhin von Herzen Weihnachten feiern, und das sogar, genau genommen, ein ganzes Erdenleben lang. 
Dazu haben wir sein Wort. Amen.



Vgl. Erhard Eutebach, Gott zeltet seit Weihnachten, MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT, in: http://predigtgarten.blogspot.com/ (03.01.09)

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