Liebe Gäste,
Advent heißt zwar Ankunft, und um das Warten soll es heute am 2. Advent gehen. Aber fragen wir uns ganz ehrlich: Können wir noch den wiederkommenden Christus erwarten? Mitunter könnte man in unseren Kreisen den Eindruck gewinnen, unser Warten auf den Herrn ist eine langweilige, passive und weltfremde Angelegenheit. Die Bibel aber spricht eine ganz andere Sprache. In der ersten Lesung hörten wir: Eine Stimme ruft: Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott! Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken (Jes 40,3f) - ein sehr treffliches Bildwort, das ein höchst aktives Erwarten meint und fordert.
Was krumm ist, soll gerade werden, und was hüglig ist, werde eben (Jes 40,4b), lesen wir weiter. Wir wissen, der Herr ist schon einmal gekommen als Kind von Betlehem. Der Zugang zu den Menschen wurde ihm aber trotz der treffenden Worte des Propheten sehr schwer gemacht, das zeigt sein ganzes irdisches Leben. Wie sieht nun unsere "Zufahrt" für ihn aus? Ist da nicht noch manches "krumm", was "gerade" sein sollte? - Vielleicht wäre es an der Zeit, die nötigen "Geländearbeiten" in unserer Lebenspraxis in Angriff zu nehmen. Jeder Straßenbau hat seinen Fertigstellungstermin. Wird er nicht eingehalten, dann fällt eine teure Vertragsstrafe an, anderenfalls freilich ein guter Lohn. Christus spricht: Siehe, ich komme bald, und mit mir bringe ich den Lohn, und ich werde jedem geben, was seinem Werk entspricht (Offb 22,12). Petrus ruft uns in der 2. Lesung des heutigen Sonntags zu: Der Herr zögert nicht mit der Erfüllung der Verheißung, er ist nur geduldig mit euch, weil er nicht will, dass jemand zugrunde geht, sondern dass alle sich bekehren. Dann erwarten wir, seiner Verheißung gemäß, einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen die Gerechtigkeit wohnt (2 Petr 3,9;13). Schauen wir uns um in unserer Welt. Wo wohnt die Gerechtigkeit? Wir alle sehnen uns nach ihr, aber durch uns selber wird sie immer wieder verhindert. "Gerechtigkeit" aber könnte und sollte die Zufahrtsstraße für den Herrn heißen, an der die Menschheit schon lange, aber wohl nicht zielstrebig genug baut. Die Zufahrt des Herrn zu uns - unser Lebensgelände - muss umgestaltet werden. Genau deswegen feiern wir Advent. Der Täufer Johannes rät uns dazu im Evangelium: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen (Mk 1,3). - Suchen wir uns nach seinem Wort eine klare Konzeption, nach der wir zielstrebig bauen.
Weg(!) mit allen Filtern und sonstigen Sperren zwischen ihm und uns! So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündigte Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden (Mk 1,4). Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen (Mk 1,5) - sehr konkret predigt Johannes und ebenso konkret reagiert das Volk... Er verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen (Mk 1,7f). - Dieser Stärkere - unser Erlöser, wie wir wissen - wird durch seinen Geist vollenden, was wir ehrlich versuchen trotz aller Geistlosigkeit unserer Lebenswelt.
Lasst uns diesen Herrn bitten: "Lehre mich, deinen Willen zu tun; denn du bist mein Gott. Dein guter Geist leite mich auf ebenem Pfad" (Ps 143,10), was ein aktives Erwarten ermöglichen würde. Dann könnte es passieren, dass der Herr im Advent 2008 tatsächlich uns ein beträchtliches Stück näher kommt, was ein Segen für uns und unsere Welt wäre:-)
Vgl. Sonntagsworte vom 2. Adwent, 4. Dez. 2005, in: http://www.bistum-dresden-meissen.de/Detailed/1788.html (Stand: 02.12.2005)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen