Liebe Gäste,
"Ihr seid Gottes Bau!", "Ihr seid Gottes Mitarbeiter!" Diese Aussagen stehen wie ein unumstößliches Gesetz in der heutigen Lesung. Dies wird noch im folgenden Satz zugespitzt:
"Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid?"
Was soll das nun bedeuten?
Wie soll das eigentlich funktionieren, Gottes Bau zu sein?
Wir, das heißt jede und jeder von uns ist eine Mitarbeiterin, ist ein Mitarbeiter Gottes. Wir alle "bauen" an einem Bau mit. Der Begriff "Bau" – klingt nach einem Gebäude, nach einem Haus aus den festen Steinen. Und wenn wir in ihm bleiben, werden wir einwenden können: ein festes Haus, eine Kirche haben wir schon. Da bauen wir nicht mehr mit. Das haben andere schon getan...
Wenn wir uns aber an den Text des Apostels Paulus von heute berufen, dann sehen wir, es ging ihm um ein anderes Haus – um ein Haus, das lebt, um eine lebendige Gemeinde. Sie war nämlich damals gerade damit "beschäftigt", nachzugrübeln und auch zu streiten, wer denn eigentlich der "bessere" Christ sei und wer denn in der Gemeinde zu Korinth "mehr" als der andere macht. Und in diese strittige Situation schreibt Paulus. Er ist der Meinung: Jeder baut an dieser Gemeinde mit - mehr oder weniger. Keiner ist da im Vorteil, keiner hat ein Recht, sich über den anderen zu erheben. Vielmehr weist Paulus darauf hin, dass ein ganz Anderer den Grundstein, das Fundament für diesen Bau gelegt hat, nämlich Jesus Christus selbst.
Bei uns heute ist zwar die Frage, wer denn der bessere sei, vielleicht nicht so dominant; aber ein Grund zur Klage gibt es für einige schon. Hört man nicht selten: "Ach, es ist ja nichts mehr los in dieser Gemeinde. Man müsste doch dieses Projekt unbedingt durchführen, man sollte doch jenen Kreis noch initiieren, man könnte doch diesen oder jenen Gottesdienst noch anders gestalten. Man müsste doch dies oder das..."
Bei Paulus heißt es ganz deutlich: Ihr, ihr Christen, seid Gottes Bau, ihr seid Gottes MitarbeiterInnen! Nicht andere – nein - ihr, die ihr das Wort hört; ihr, die ihr zu dieser Gemeinde gehört, ihr, die in der Kirche seid – ihr seid es, die dafür verantwortlich sind, was passiert oder nicht passiert. So heißt es in dem dafür passenden Lied: "Ein Haus voll Golrie schauet weit über alle Land". Und weiter: "Herr, dich preisen wir, auf dich bauen wir." Dabei sind wir selber die Steine - groß und auch klein: Sie, du, ich und jeder Christ... aus vielen Leuten, die in verschiedenen Zeiten von Jesus Christus gehört haben. Jede und jeder ist aufgerufen, mitzubauen. Und Sie wissen selber, es gibt schon eine ganze Menge Menschen in unserer Gemeinde, die diesem Auftrag nachkommen. Viele sind es, die sich ehrenamtlich engagieren: in den Kreisen, Gruppen oder einzeln, die oft im Stillen ihren Auftrag tun, deren Dienst niemand sieht. Sie alle haben wohl verstanden, dass eine lebendige Gemeinde nur dann entsteht, wenn viele dabei mittun.
"Laß fest auf diesem Grund uns stehn zu aller Stund" – so heißt es auch in unserem Lied, was bedeutet – Letztendlich baut Gott ein lebendiges Haus. Das führt uns zu einer ganz wichtigen Aussage unseres Paulusbriefes. Gott baut eigentlich, wir sind die MitarbeiterInnen. Er baut durch uns. Und dazu gibt Gott uns eine Zusage. Er sagt zu uns: Du schaffst das, ich gebe dir die Gnade mit auf den Weg. Am Anfang steht unsere Berufung, steht die Zusage Gottes. Er setzt auf uns. Gott schickt uns aber nicht einfach so auf die "Baustelle", er gibt uns Fähigkeiten, Talente, verschiedenste Gnadengaben mit auf den Weg, die wir dann an entsprechenden Stellen einsetzen sollen. Wir müssen also nicht alles können oder alles machen. Wir dürfen auch darauf bauen und vertrauen, dass andere das ihrige dazugeben.
Ich möchte gern stellvertretend für viele noch unsere Erstkommunionvorbereitung herausgreifen, weil ich dabei genau das erlebe. Über den "Grundplan" für die Tage, über unsere Inhalte waren wir uns einig. Die konkrete Gestaltung liegt aber mit in der Hand der Mitarbeiterinnen. Wenn Sie das sehen und erleben, mit viel Kreativität gearbeitet wird, wie viele verschiedene Dinge möglich werden, dann würden Sie meine Freude sicher teilen können. Doch das geschieht nur, weil jede Person ihre Fähigkeiten und Talente einbringen konnte und keine etwas tun musste, was sie gar nicht konnte. Eine Portion Vertrauen und auch ein wenig Mut gehört manchmal schon dazu. Doch das "Ergebnis" ist wirklich eine lebendige Gemeinschaft. Auch ein Krankenbesuch durch jemanden, der zuhören, trösten kann, ist oft eine große Hilfe und wichtiger Dienst. Gott setzt auf uns und er stattet uns mit Fähigkeiten aus, die wir einsetzen dürfen und sollen. Denn nur so kann es heißen: "Ihr seid Gottes Bau!" So ist es auch in anderen Gruppierungen unserer Gemeinde.
Jetzt werden einige sagejn: Manchmal ist das gar nicht so einfach, alle unter einen Hut zu bekommen, allen recht machen. Es stimmt, das ist wirklich nicht so einfach – und es muss vielleicht auch nicht so sein. Schauen wir noch einmal in den Text: "Jeder soll darauf achten, wie er weiterbaut." Unser Fundament ist für uns Christen eigentlich klar. Jesus Christus - mit seiner Begeisterung, erkennbar durch sein Handeln und klar in seiner Botschaft. Wenn wir das alle vor Augen und vor allem im Herzen tragen, dann sollte es auch nicht so schwierig sein, einen lebendigen Bau fortzusetzen. Vielleicht muss manches mal ausprobiert, erneuert werden. Vielleicht gibt es auch manche Einbrüche im Bau. Doch wenn wir alle bemüht sind, das gemeinsame in Jesus zu suchen und von seiner Botschaft aus Wege suchen, dann, so glaube ich, kann es gar nicht so falsch und schwierig werden. Es heißt, wir sollen aufeinander achten – auf alt und jung, auf Tradition und neue Ideen. Vielleicht müssen sich auch Menschen verändern, damit es passend ist. Passend meint hier aber nicht angepasst oder zurechtgebogen. Vielmehr gilt es für jede und jeden von uns miteinander Wege zu einer lebendigen Gemeinde zu suchen, menschlich aufeinander zu gehen, immer wieder von vorn, wenn es sein muss. Das ist nicht immer ganz leicht, das kann ich auch aus meiner eigener Erfahrung erzählen. Aber das, was gemeinschaftlich entsteht, was gelingt und Freude macht, ist meist so bereichernd, dass es auch über trübe Tage mal hinweghilft bzw. wieder aufmuntert. Ihnen fallen sicher dazu genauso viele Beispiele ein (...)
Liebe Schwestern und Brüder,
Manchmal können wir selbst die Früchte der Arbeit sehen, aber oft auch nicht. Doch das soll uns nicht entmutigen, sondern durch die heutige Lesung mit der Zusage Gottes: "Ihr seid Gottes Bau! Ihr seid Gottes Tempel!" dürfen wir uns ermutigt fühlen und gestärkt an unsere Mitarbeit gehen. Doch einer allein kann nicht viel bewirken, es müssen mehrere zusammenwirken und das mit der Gewissheit, dass das nötige "Können" uns manchmal einfach geschenkt wird.
Amen
Vgl. Markus Bolowich, Pfr., Predigt zum 32. Sonntag im Jahreskreis, in:
http://www.eo-bamberg.de/eob/dcms/sites/bistum/pfarreien/dekanate/bamberg/st_martin_bbg/spirituelles/predigten/html_2003/031109.html (Stand: 08.11.2003)
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