Samstag, 18. Oktober 2008

Der 1. Thessalonicherbrief

Liebe Leser und Leserinnen,

Den 1. Brief an die Thessalonicher schreibt Paulus von Korinth aus wahrscheinlich um 50 n.Chr. Dort traf er laut Apg (18,5) die Mitabsender Silvanus und Timotheus, die er am Anfang des Briefes erwähnt. Timotheus war aus Thessalonich zurückgekehrt und hat Paulus mit guten Nachrichten aus der dortigen Gemeinde versorgt: das Wort hat den Glauben geweckt.
Von den fünf sind die ersten drei Kapitel dieses Briefs nichts Anderes als Erinnerung und Dank von Paulus (denn erst der dankende Mensch begreife die Größe der empfangenen Gnade. Die dankende Erinnerung zeige auch, welches der Weg der Christen und der christlichen Gemeinde sein muss (1, 3): die Tat des Glaubens, die Anstrengung der Liebe und die ausdauer in der Hoffnung – im warten auf das 2. Kommen des Herrn in der Herrlichkeit - in der Parusie).
Der 1. Thessalonicherbrief ist der früheste der Paulusbriefe und steht in engem Zusammenhng mit der Paulus-Mission in Mazedonien und Achaia.
Als der Paulus nach Thessalonich kam, lebten dort , in der mehr als 350 Jahre alten Stadt damals etwa 20 – 30 000 Einwohner. Damit zählte sie zu den mittelgroßen Städten des Römischen Reiches und wurde in Griechenland nur noch von Korinth übertroffen. (Sie war Hauptstadt der kaiserlichen Provinz Mazedonien und Sitz des Prokonsuls). Etwa 49 oder 50 n.Chr. hielt sich der Apostel Paulus und auf seiner zweiten Missionsreise in Thessaloniki auf und gründete die zweite namentlich genannte Christengemeinde Europas nach Philippi.
Bis zum 4. Jh. n. Ch. gewann diese Stadt an Bedeutung. In der byzantinischen Zeit speilte sie mit ihren vielen Kirchen auch eine wichtige Rolle und war nach Konstantinopel die zweite Stadt des Reiches. Heute ist Thessalonich mit fast 400 000 Einwohnern eine Metropole Griechenlands und Sitz eines griechisch-orthodoxen Erzbischofs.
Nun zurück zu Paulus. In seinen Briefen äußert sich der Apostel nur wenig über seinen Aufenthalt in Thessalonich. Er dankt Gott dafür, "dass ihr das Wort Gottes, das ihr durch unsere Verkündigung empfangen habt, nicht als Menschenwort, sondern – was es in Wahrheit ist – als Gotteswort angenommen habt" (2, 13). Wahrscheinlich spielen hier negative Erlebnisse der Thessalonicher mit Philosophen und Rhetoren eine Rolle, die ihre Lehren gegen Bezahlung verkündeten. Paulus hingegen hat in Thessalonich gearbeitet und ist niemandem zur Last gefallen. Er schreibt: "Ihr erinnert euch, Brüder, wie wir uns gemüht und geplagt haben. Bei Tag und Nacht haben wir gearbeitet, um keinem von euch zur Last zu fallen, und haben euch so das Evangelium Gottes verkündet." (2,9)
Wie auch immer hat Paulus in Thessalonich zuerst die Synagoge besucht, um dort zu predigen. Und einige Juden, darunter auch Frauen, schlossen sich seiner Lehre an. Doch hier kam es zu Auseindersetzungen. Auf der Suche nach dem Apostel ergriff das Volk Jason, bei dem Paulus und seine Gefährten untergekommen waren, und brachte ihn mit anderen Christen vor die Stadtpräfekten. Gegen Zahlung eine Kaution wurden Paulus und Silas freigelassen. Darafhin verließen sie die Stadt. Paulus musste also Thessalonich nach kurzer Mission verlassen (1 Thess 1,6; 2,14f.), schickte aber Timotheus in die Stadt, damit er die Gemeinde stärke (3,1-5). Dieser kann Paulus nach einiger Zeit in Korinth berichten, dass die Gemeinde auf einem guten Weg sei. Und das ist der eigentliche Anlass des 1 Thessalonicher. Der Brief geht aber auch auf zwei Probleme ein, die, wie Paulus von Timotheus gehört hat, die Thessalonicher beunruhigen: das Schicksal derer, die vor der Wiederkunft des Herrn sterben, und die Frage der Erwählung. Todesfälle hatten in der Gemeinde von Thessalonich die Frage aufgeworfen, ob die vor der Parusie Verstorbenen verloren gehen. Paulus erläutert, dass bei der Wiederkunft Christi zunächst die Toten auferweckt werden, um dann mit Christus und mit den noch Lebenden in die Herrlichkeit einzugehen. (4, 13-18). Gleichzeitig mahnt Paulus die Christen in Thessalonich, sich angesichts der offenen Zeit auf die Zusagen Gottes und seine Verheißung zu verlassen und so ein neues Leben zu führen (5, 1-11).
Und was bedeutet das alles für uns heute, Liebe Besucher,
Kurz gesagt, Wir, Christen sollen nach außen durch unseren moralischen Lebenswandel keinen Anstoß erregen. Durch Paulus werden wir zur Wachheit und Nüchternheit ermahnt. Gott hat uns ja als Kinder des Lichts durch Jesus Christus zum Heil, und nicht zum Gericht bestimmt. Haben wir also keine Angst! Gott ist bei uns, er hat uns erwählt und dazu bestimmt, dass wir die Frucht bringen. Er helfe uns dabei wie damals dem hl. Paulus und seinen Gefährten. Amen.


1. Vgl. Thassaloniki, in: http://de.wikipedia.org/wiki/Thessaloniki (13.10.2008)

Vgl. Claus-Peter März, Paulus, Sein Leben-Sein Wirken-Seine Zeit, benno-Verlag
Dirk Klingner, Paulus, Was? Wann? Wo? Alle Orte, die er besuchte, benno-Verlag

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