Samstag, 27. September 2008

Erntedankfest - Tag des Dankes für Empfangenes

Liebe Gäste,
Erntedankfest. Dieses uralte Fest ist auch in heutiger Zeit fest verankert in den Köpfen und Herzen der Menschen und das mit vornehmlich positiven Gedanken (Gestaltung des Altarraumes).
Dieses Fest scheint seinen positiven Platz für uns zu haben. Darauf angesprochen weiß jeder darum, dass unser Leben letztlich jeden Tag ein Geschenk ist. Wir sind abhängig davon, dass die Natur ihre Erträge bringt, sicher mit Hilfe menschlicher Arbeitskraft, aber doch eben abhängig von den naturgegebenen Bedingungen. Durch die weltweite Wirtschaftgemeinschaft ist es zwar möglich, dass wir zu jeder Zeit immer Nahrung haben, so dass die Abhängigkeit von örtlichen Bedingungen nicht so gegeben ist, aber auch dies ist in unserem Bewusstsein fest verankert, dass wir alle diese Gaben nur empfangen und nicht selber produzieren, auch wenn bäuerliche Betriebe manchmal landwirtschaftliche Produktionsbetriebe genannt werden.Erntedank also als Tag des Dankes für Empfangenes, für die Möglichkeit des Überlebens an jedem Tag.Erntedank ist aber neben der dankbaren Empfindungen immer auch eine Zeit, in der landwirtschaftliche Bilanz gezogen wird...Erntedank betrifft uns aber nicht nur im Blick auf die Nahrung, die wir empfangen, im Blick auf die Probleme der Landwirtschaft, die so vielfältig sind, Erntedank betrifft nicht nur die Ernte des Kleingartens, Erntedank ist ein großes Thema. Erntedank betrifft immer unser ganzes Leben. Der Landwirt hält Rückblick aufs Wirtschaftsjahr.
Vielleicht ist das Erntedankfest auch Grund mitten im Jahr einmal Ernterückblick zu halten auf das eigene Leben. Was ist dort gesät worden? Was habe ich geerntet im letzten Jahr, in den vergangenen Jahren? Was haben wir erreicht in unserer Familie, in unserer Gemeinde? Welche Samen haben wir gesät, welche Früchte sind aufgegangen? Hier wird es ganz unterschiedliches für jede und jeden von uns zu sagen geben. Zunächstmal gute Dinge: z.B. die Entwicklung der Kinder. Sie gehen ihren Weg, kommen gut in diesem Leben zurecht, sie können umsetzen, was wir ihnen vorgelebt haben, was wir ihnen mitgegeben haben. Vielleicht gab es auch neues in den Beziehungen, in denen wir leben. Neuanfänge wurden gemacht, Saatkörner neuen Lebens konnten aufgehen, Früchte von Veränderungen konnten geerntet werden. Ältere schauen auf ihre Lebensfrüchte, sind dankbar für die Ernte des Lebens, für den Weg, den Gott mit ihnen gegangen ist, für die Menschen, die an der Seite waren und sind.Und es wird auch schwierige Dinge geben, auf die wir zurückschauen können: vielleicht gab es Trennungen, Zerwürfnisse. Enttäuschungen, Verletzungen, die entstanden sind, weil wir Saatkörner des Unfriedens gestreut haben, manchmal ohne es zu merken, oder weil sich Dinge ereignet haben, die auf Unverständnis und Ablehnung stoßen.
Die Früchte der Saat von Innovation und Technik ist das Nicht-Gebraucht-Werden von menschlicher Arbeitskraft. Früchte des Wirtschaftswachstums, des Booms der Industrie heißen heute nicht mehr Arbeit für alle, sondern leider oft vor allem Erhöhung von Gewinnen. Freude auf der einen, Ratlosigkeit und Resignation auf der anderen Seite.Und auch dies gehört zum Erntedankfest. Es gibt, gerade bei diesem Fest nicht nur die eine Seite, die des Dankes und der Freude über die Natur, sondern immer auch die andere Seite, die der Benachteiligten, die Seite derer, die an den Früchten des Lebens nicht so teilhaben können.
Und damit sind wir bei dem Thema gelandet, das Paulus in seinen Worten anspricht: nämlich die Umsetzung von Dankbarkeit und Freude im Leben für diejenigen, die nicht in solcher Freude leben können. Konkret geht es in dem gehörten biblischen Text: "Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen. Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht " (Phil 2, 1-11).
Was bedeutet dies angesichts des bisher Gesagten für uns und unser Erntedankfest. Ich denke zunächst einmal werden wir darauf hingewiesen, dass es neben uns andere Menschen gibt, die im Mangel leben. Natürlich wissen wir das und oft werden sie uns in den vielen Spendenaufrufen während des Jahres auch wieder vor Augen gestellt. Aber gerade dies auch am Erntedankfest lebendig sichtbar zu machen, ist wichtig, um das Erntedankfest recht zu begehen. Schauen wir auf unser Leben, dann werden wir wohl alle, die wir hier sind, sagen müssen, es geht uns eigentlich gut. Wir haben alles, was wir brauchen, wir können dankbar sein, wie wir leben können – auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Diese Dankbarkeit, so macht uns die Bibel deutlich, ist aber auch Verpflichtung, Verpflichtung vielem: Zum einen natürlich die Not der Menschen nicht zu vergessen, die nicht in dieser Weise von der Natur gesegnet sind wie wir hier in Mitteleuropa. Unsere Hilfe für diese Menschen und Länder muss uns selbstverständlich sein. Und wenn es so in der Wirklichkeit ist, dann ist dies ein lebendiger Dank an einem Tag wie heute und an jedem Tag, an dem wir aus dem Vollen schöpfen.
Diese Hilfe kann auf ganz unterschiedliche Weise geschehen. Über die Politik, die den ärmsten Ländern ehrliche Unterstützung gibt, nicht nur Kredite, die die wirtschaftlich starken Länder in gewisse Weise sogar noch bereichern. Über die Wirtschaft, die ihr Wissen, ohne eigenen Vorteil zu suchen, weitergibt und so Hilfe zur Selbsthilfe gibt. Aber auch wir selber tun etwas: die finanzielle und geistliche Begleitung von verschiedenen Projekten der Hilfe gehört selbstverständlich dazu.. Oder die Projekte von Hilfswerken, die wir durch unsere Gaben so oft im Jahr unterstützen. Darin liegt mehr, als wir glauben. Denn wie Paulus sagt, so achten wir auf das Wohl der anderen und dadurch helfen wir nicht nur Mangel zu beseitigen... Das sicher auch und das ist wichtig. Aber die Zeichen der Hilfe sind mehr. Sie sind ein Zeichen dafür, dass Gott SIE nicht alleine lässt. Unsere Zeichen der Dankbarkeit sind Zeichen der Güte Gottes, sind Zeichen der Zuwendung, die Gott durch uns hindurch wirkt. Menschen, die nicht alleingelassen werden, haben Mut zum Leben, finden Hoffnung auf Leben und werden darin auch selber Boten eines Glaubens, der den Armen eine Chance gibt.Und das gilt auch für die Menschen in unserem Land. Wirtschaftliche Not mögen hier die allerwenigsten haben. Die soziale Sicherung bei uns ist gut. Aber die Dankbarkeit, die uns am Erntedanktag vor Augen gestellt wird, ist auch Verpflichtung für diese Menschen. Z.B., einfach dadurch, dass wir diese Menschen nicht "abstempeln". Wie oft hört man es, dass aufgrund von Missbrauch, Sozialhilfeempfänger oder Arbeitslose verurteilt werden. Nein, Dankbarkeit heißt, es ist gut so, dass es ein Sicherungssystem für die Schwachen gibt... Und wenn damit Menschen überleben können, denen nicht so gute Chancen wie uns gegeben sind, dann ist das gut und richtig, dann ist das im Sinne Gottes, der für die Armen eintritt, der die Lebensmöglichkeiten aller Menschen will, auch wenn es Menschen gibt, die ein solches System ausnutzen. Menschen Chancen zu geben, ihnen Räume zu verschaffen, in denen sie ihren Wert neu entdecken können, Tätigkeit und Anerkennung - das ist christliches Danken und Denken. Paulus schreibt wieter im Korintherbrief: "Gott kann euch reich machen an allem, was ihr braucht, so sehr, dass ihr immer und überall, in jeder Hinsicht wohl versorgt seid und euren Überfluss nach allen Seiten weitergeben könnt." Wir sind reich und dafür dürfen wir dankbar sein, jeden Tag, nicht nur heute. Trotz aller Probleme, die manche von uns haben, gibt es viel mehr Dankbares im Leben als Beklagenswertes.
Wenn das Erntedankfest also Fest der Dankbarkeit des Lebens ist, dann wollen wir es in diesem Sinne feiern, dass wir offen sein wollen für alles, was uns unser Leben reich und schön macht, dass wir offen sein wollen dafür, dass wir es Gott zu verdanken haben, nicht uns selbst, und dass wir darin auch die Verpflichtung erkennen, diesen Dank lebendig weiterzugeben. Damit wollen wir Gott danken und den Gottes Willen erfüllen. Amen

Vgl Predigt zu 2. Kor 9, 6-15, in:
http://www.kirche-in-elbe.de/predigt/nt/2kor9-6ff.htm (Stand: 21.09.08)

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