Samstag, 30. August 2008

„Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken“

Liebe Gäste,

"Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken",
ruft uns der heilige Apostel Paulus heute in der Lesung zu. Diese Mahnung ist heutzutage genauso aktuell wie zu den Zeiten der Urchristen. Es geht um das unterscheidend Christliche, ja um die Substanz unseres christlichen Glaubens, die verlorengeht, wenn wir uns an die Welt angleichen. "Ihr seid das Salz der Erde", sagt Christus. "Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen?" Wenn wir Christen nicht anders leben als die Ungläubigen, dann ist unser Salz schal -"ohne Geschmack" geworden!..
Vor ein paar Wochen war der Höhepunkt des Weltjugendtags in Sydney in Australien. Hunderte Tausende junger Leute sind der Einladung des Papstes gefolgt und feierten zusammen mit ihm die heilige Messe. Es war ein großes Fest des Glaubens und der fröhlichen Zuversicht, ein unbeschreibliches Erlebnis der Einheit und des Friedens. Der Nachfolger Petri, auf den Jesus seine Kirche gebaut hat, machte uns allen Mut, Jesus Christus wieder in die Mitte unseres Lebens zu stellen und uns des Evangeliums nicht zu schämen, vielmehr stolz darauf zu sein, und mit Hilfe des Hl. Geistes im Alltag Zeugnis der Liebe geben. In Sydney sprach er u.a. einen Gedanken aus, der gut zu den heutigen Lesungstexten passt:
«Was werdet Ihr der nächsten Generation weitergeben? Was werdet Ihr bewirken?», lautet die ernste Frage des Papstes. Und sie ist ein Appell. Zu Hause zu sitzen und zu beten reicht ihm nicht. Benedikt möchte, dass die Jugendlichen aktiv werden und eine Welt schaffen, in der noch Raum für den Glauben an Gott ist. (Vgl. http://fuenf.scm-digital.net/show.sxp/2136_ernste_kost_zwischen_beten__jubeln_und_singen__papst.html (Stand: 25.08.08))
Die Umwandlung und Erneuerung des Denkens ist eine Aufgabe, die sich jedem einzelnen stellt, und das auch immer wieder im Leben. Im Evangelium erfahren wir, dass auch Petrus damit seine Not hatte. "Das soll Gott verhüten, Herr!", ruft er aus, als Jesus von seinem Leiden und Sterben spricht. Petrus glaubt an Jesus, er glaubt, dass Jesus der Messias sei, aber gerade deshalb versteht er nicht, dass der Gesalbte des Herrn die Schmach des Kreuzes erleiden soll. Doch Jesus weist ihn zurecht und fährt ihn an (wörtlich): "Hinter mich, Satan!" Er nennt Petrus aber nicht als einen Teufel; das Wort "satan´a" ist hier vielmehr in seiner Ursprungsbedeutung zu verstehen und meint: "Hindernis, Widersacher, Stein des Anstoßes." Petrus wird Jesus zur Versuchung, indem er ihm das Kreuz wegwünscht. Und so muss er sich sagen lassen: "Du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen." Petrus will einen Messias, der sich mit Macht und Gewalt durchsetzt; Gott will einen Messias, der "der lauten, auftrumpfenden Macht dieser Welt die wehrlose Macht der Liebe gegenüberstellt, die am Kreuz unterliegt und doch… dem Unrecht entgegentritt und Gottes Reich heraufführt."
Das ist soweit theologisch völlig klar. Aber bis hierhin ist es nur Gedanke, den man in Gelehrtenstuben entwickeln oder in einer schönen Predigt anhören kann, ohne ihn zu leben. Es kommt darauf an, dass wir diesen Gedanken tief in unser Herz einlassen, damit er unser Leben bestimmt. Wir sind aufgerufen, uns zu wandeln und unser Denken zu erneuern. Wie viele gibt es, die kritiklos alles aufnehmen, was ihnen im Fersehen geboten wird. Zu viele sind es schon, die sich vom Zeitgeist bestimmen lassen und mit dem Strom der Masse mitschwimmen. Erneuerung des Denkens ist daher das Gebot der Stunde, damit wir die alten und doch ewig jungen Worte des Evangeliums wiederentdecken, die uns freimachen von der Anhänglichkeit an diese Welt und ihren verräterischen Glanz, die uns Mut und Hoffnung geben für unser Leben.
In Sydney (einmalmal auch in Köln) durften wir Zeuge sein, dass sich nicht nur einzelne für das Evangelium begeistern lassen, sondern tatsächlich große Massen der Jugend. Man konnte es spüren, dass das Evangelium auch heute Mut gibt, das eigene Denken zu erneuern, das schale Salz abzuschütteln, sich im Sakrament der Umkehr mit Gott zu versöhnen und gegen den Strom der Verweltlichung zu schwimmen. Gottes Gnade wurde sichtbar, sie leuchtete auf unzähligen jungen Gesichtern!
Bei alledem wird die Kirche aber auch nicht selten dargestellt, als ob sie bald an Altersschwäche stirbt. Denn wenn das so ist, dann braucht man sich ihrer Botschaft nicht mehr zu stellen. Wie viele Christen haben sich im Grunde mit diesem Bild abgefunden! So werden sie entmutigt, und Glaube und Hoffnung werden schwach...
Die Botschaft Jesu ist glasklar: "Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen?" Was nützt es, wenn wir das zeitliche Leben retten und das ewige verlieren, wenn wir zwar von den Menschen Applaus bekommen, vor Gott aber mit leeren Händen dastehen? Eine Wohlstandsreligion nützt nichts...
Ein Schriftsteller, genannt "das Gewissen der Nation" - Reinhold Schneider sagte dazu: "Das Christentum kann sich einzig und allein erneuern durch die Wendung zum Ursprung, den immer neuen Durchbruch zu Christus, zum Kreuz." Amen.
Vgl. Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2005
http://www.karl-leisner-jugend.de/Predigt/Predigt_A_JS_22.htm (Stand: 25.08.08)

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