Dienstag, 3. Juni 2008

Wo Jesus draufsteht, muss auch Jesus drin sein!

Liebe Gäste,

Immer wieder erschüttern uns schreckliche Bilder, wenn das Meer oder ein Fluss mit der zerstörerischen Naturgewalt der Wassermassen von einem Tag zum anderen ganze Landstriche zerstören und tausendfach Leid und nicht selten Tod bringen. Auch ein Orkan, der über uns hinwegfegt wie Kyrill, Emma, Kirsten und wie sie alle heißen, hinter-lässt eine Schneise der Verwüstung mit Millionenschäden. Wenn jedoch ein Haus nicht solide gebaut ist, dann ist die persönliche Katastrophe eigentlich schon vorprogrammiert.
Wie erleben wir Jesus heute?Um die heutige Botschaft Jesu besser verstehen zu können, betrachten wir zuerst die erste Aussage des zweiteiligen Evangeliums vom Sonntag: Jesus erklärt seinen Jüngern, dass es viele geben wird, die ausdrücklich in seinem Namen auftreten werden und dabei sogar Wundertaten vollbringen. Wenn sie dann aber eines Tages vor Jesus stehen und ins Himmelreich wollen, wird er zu ihrem Schrecken antworten: „Ich kenne euch nicht. Weg von mir, ihr Übertreter des Gesetzes!“
Zuerst einmal sind wir irritiert: Da setzen sich Menschen tatkräftig für Jesu Botschaft ein, haben damit offensichtlich auch Erfolg, und dann reagiert Jesus mit heftiger Kritik. Wer kann das verstehen?Freut Jesus sich denn gar nicht über diese engagierten Leute?Sie sprechen ihn doch auch ausdrücklich mit „Herr, Herr“ an und bestätigen damit seine Autorität als Gottes Sohn. Kann man denn noch mehr verlangen als solch einen Einsatz für das Reich Gottes, dazu noch ausdrücklich im Namen Jesu?
Wir kommen der Zurechtweisung durch Jesus auf die Spur, wenn wir genauer hinhören: Jesus nennt sie „Übertreter des Gesetzes“. Das Gesetz, das diese Erfolgschristen, Erfolgsprediger und Wundertäter übertreten, ist also der Angelpunkt, an dem alles hängt. Es geht nicht um ein menschliches Gesetz, um irgendwelche Paragraphen und Verordnungen, die sie vielleicht übersehen hätten. Nein, Jesus sagt ihnen auf den Kopf zu, dass sie das Gesetz Gottes übertreten haben. Dieses Gesetz besteht darin, alles aus Liebe zu Gott und alles nach seinem Willen zu tun. Das beten wir ja auch im Vaterunser: „Dein Wille geschehe…“
Man könnte den Vorwurf Jesu also so übersetzen: Ja, ihr wart wirklich toll! Super habt ihr das gemacht, spitzenmäßige Predigt, Leute geheilt und Wunder gewirkt. Die Bewunderung und der Beifall aller Mitchristen sind euch sicher!Aber seid doch mal ehrlich: Um was ging es euch dabei wirklich? War da nicht auch eine große Portion eigene Eitelkeit dabei? Wart ihr nicht auch stolz darauf, besser dazustehen als euer Amtskollege, euer Mitchrist?Schön, dass jede Woche was in der Zeitung stand über euch ! Aktionen hier und Aktionen da, hier ein Konzert, da ein Spektakel…
Jesus kann ganz offen sein. Er ist nicht gegen Erfolg, aber er darf nie zum Maßstab werden. Jesu Belehrung ist eindeutig: es gibt nur einen einzigen Maßstab für Christen, und der heißt, den Willen Gottes zu tun. Es reicht nicht, möglichst laut „Herr, Herr“ zu rufen und toll zu sein. Der Vater im Himmel will nicht unsere Großtaten, sondern unser Herz und die Erwiderung seiner barmherzigen Liebe.
Jesus ist gegen Falschspieler und gegen Fälscher. Wir kennen das auch aus dem Alltag: da wird Markenware imitiert und billig auf den Markt geschleust. Äußerlich sieht das vielleicht super aus, aber oft genug stimmt die Qualität nicht, und die Sicherheit kann in Gefahr sein, zum Beispiel bei nachgemachten Auto-Ersatzteilen.
Falschspieler haben bei Jesus wenig Chance. Da regt er sich richtig auf. Wo Jesus draufsteht, muss auch Jesus drin sein! Du kannst alle Wunder dieser Erde tun und das Weihwasser literweise trinken – es wird dir nichts helfen, wenn du dich nur des Namens Jesus bedienst. Du betreibst dann doch nur Etikettenschwindel!
Frage also immer danach, was Gottes Wille ist, und nicht dein eigener Wille.Da kann es dir allerdings oft genug passieren, dass dies nicht das Gleiche ist.Es kann sogar richtig unangenehm werden und weh tun: Vielleicht ist für Gott dein Riesenerfolg nicht wirklich so wichtig…Vielleicht hat er etwas ganz anderes mit dir vor? Aber hast du ihn überhaupt danach gefragt?
Damit sind wir wieder bei der Sturmwarnung Jesu angelangt, beim zweiten Teil des heutigen Evangeliums. „Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute“, erklärt Jesus.Jesus ist also unser Ratgeber. Er kennt unsere Versuchung, auf Sand zu bauen. Es ist ja auch verlockend und bequemer. Und äußerlich sieht dieses Haus auch genauso schön und stabil aus wie eines, das auf Felsen gebaut wurde. Doch die ganze Herrlichkeit kann mit einem Schlag zerstört werden.
Jesus möchte nicht, dass uns das passiert. Er kritisiert nicht, um zu verletzen oder um zu kränken, sondern er kritisiert, um zu helfen, um zu retten. Im ersten Moment muss man schon schlucken, wenn man einen Tadel bekommt. Angenehm ist das nicht. Und modern auch nicht. Heute soll man ja eigentlich nur loben und motivieren.
Liebe LeserInnen,
Damit hält Jesus sich aber nicht auf.Es geht ihm nicht darum, sich bei uns mit netten Sprüchen beliebt zu machen. „Ach, wie nett Jesus das wieder mal gesagt hat…!“Jesus weiß, dass die Stürme im Leben kommen werden. Manche Stürme und Fluten sind so mächtig, dass wir sie kaum ertragen können. Jesus drängt uns darum mit aller Eindringlichkeit: Baut nicht auf Sand, setzt euer Leben nicht in den Sand! Lasst euch nicht blenden vom schönen Schein und oberflächlichen Maßstäben wie z.B. Erfolg! Baut euer Lebenshaus so, wie ich es euch sage: Baut auf ganz festen Untergrund. Folgt dem Plan Gottes, darauf könnt ihr felsenfest bauen. Der Sturm wird kommen, die Bewährung wird kommen – plötzlich und unerwartet, so wie auch unsere leibhaftige Begegnung mit dem lebendigen Gott. Amen.

Vgl. http://predigtgarten.blogspot.com/

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