Sonntag, 27. April 2008

Um die Liebe dreht sich alles?..

Liebe Gäste,
Um die Liebe dreht sich alles im Evangelium des 6. Ostersonntags. Damit wird weitergeschrieben, was der letzte Sonntag mit seinem Evangelium aus der großen Abschiedsrede Jesu im Abendmahlssaal bereits anklingen ließ: Liebe ist die Frucht aus der Beziehung zu Christus und Gott. Es sind verschiedene Aspekte, denen nachzuspüren lohnt – bei aller Vorsicht, denn das Wörtchen "Liebe" ist so abgenutzt und abgegriffen wie kaum ein anderes.
"Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten", sagt Jesus zunächst (Joh 14,15; vgl. 15,10; 14,23). Liebe und Gebote in einem Atemzug zu nennen, mag für unsere Ohren ungewöhnlich klingen. Kann die Liebe etwa durch Gebote, Regeln oder Vorschriften abgesichert werden? Wäre das nicht so, als wenn ein Brautpaar durch einen Ehevertrag seine Liebe garantieren wollte?.. Wir möchten uns nicht durch Gebote einschränken lassen, sie scheinen der Freiheit, die wir viel eher mit der Liebe in Verbindung bringen, zu widersprechen. Welche Gebote aber meint Jesus eigentlich? Es sind nicht irgendwelche bürgerlichen Gesetze und Normen, sondern die Gebote, die Gott seinem Volk im Alten Bund gegeben hat, die zehn Gebote, die Jesus in dem Doppelgebot zusammenfasst: "Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben, und deinen Nächsten wie dich selbst. " An einer anderen Stelle sagt er: "Das ist mein Gebot: Liebet einander, wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt" (Joh 15,12f). Und bei Johannes lesen wir in seinem Brief: "Denn die Liebe zu Gott besteht darin, dass wir seine Gebote halten. Und seine Gebote sind nicht schwer." (1 Joh 5, 3)
Jetzt verstehen wir vielleicht, warum Jesus die Liebe zu ihm und die Gebote in einem Atemzug nennt..., weil die Gebote ganz einfach die Liebe beinhalten. Gleichzeitig könnten wir aber auch vor einem so hohen Anspruch zurückschrecken, wenn wir unsere Beziehungen untereinander und unsere Beziehung zu Jesus und seinem Vater realistisch betrachten.
Wie wir es auch drehen und wenden möchten, kommen wir nicht um die Frage herum, die aus dem Evangelium von Jesus her an uns ergeht: Lieben wir ihn? Liebe ich Jesus? Lieben wir Jesus in unseren Gemeinden? Kann man überhaupt einen Menschen lieben, der vor 2000 Jahren gelebt hat? Liebe bezieht sich doch in erster Linie auf lebendige Menschen, zu denen man sich hingezogen fühlt. Manche Menschen haben Lieblingsgestalten der Geschichte, sammeln und lesen Bücher über sie, schmücken die Wohnung mit ihren Bildern und lassen keinen Film ungesehen. Sie investieren viel Zeit und Liebe, um sich mit ihnen zu befassen. Andere lieben die Musik oder die Architektur der Gotik oder die Natur der Berge oder diese oder jene Sportart. Für alle diese Objekte der Liebe wird viel Zeit, Energie und Zuwendung aufgebracht. Man vertieft sich in sie und empfindet dabei Glück, Freude und Bereicherung.
Lieben wir bei alledem Jesus? Wie kann man ihn überhaupt lieben? Gewiss nicht so, wie wir einen Menschen lieben, dem wir von Angesicht zu Angesicht begegnen und schon gar nicht im Austausch von Zeichen der Zuneigung. Aber unsere Liebe kann doch tiefer gehen als die Liebe zu Gestalten der Geschichte oder zu bestimmten Hobbies. Jesus ist ja in die Herrlichkeit des Vaters zurückgekehrt. Das feiern wir am kommenden Donnerstag an Christi Himmelfahrt (diesmal ist das am 1 Mai). Jesus hat uns den Beistand verheißen, den Geist der Wahrheit. Dieser Geist bewirkt, dass wir Jesus nahe sein können, im Gebet, im Gottesdienst, in der Hl. Messe, im Hören auf seine Worte, in den Sakramenten. Vor allem in der Heiligen Eucharistie können wir Jesus begegnen, wenn wir in der Gestalt des Brotes seinen Leib empfangen. Es gibt eine Fülle von Möglichkeiten, die Gegenwart Jesu zu erfahren...
Fragen wir uns nachmal: Lieben wir Jesus? Fühlen wir uns zu ihm hingezogen? Wieviel Zeit, Energie und Zuwendung bringen wir für ihn auf? Empfinden wir Glück, Freude und Bereicherung in seiner Nähe? Sind wir dankbar dafür? Sind wir offen für seine Gebote, für das, was er uns zum Gelingen unseres Lebens nahelegt?
Wie weit wir uns auch immer wieder von Jesus entfernen mögen, wie sehr unsere Liebe zu ihm auch immer wieder abkühlen mag, der Beistand, der Geist der Wahrheit, kann uns immer wieder neu ergreifen und beleben und in die Liebe hineinziehen, die uns mit Jesus verbindet und das Leben eröffnet, das uns für immer Freude, Glück und Liebe garantiert. Amen.

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