Liebe Gäste,
"Dreimal umgezogen, das ist wie einmal abgebrannt!" so sagt es das Sprichwort. Es gibt wohl kaum etwas, was mehr Bauchschmerzen bereitet als ein Umzug. Viele von uns haben das sicher selbst schon am eigenen Leib verspürt, und alle anderen müssen sich nur einmal vorstellen, was das heißt, alles, was man besitzt, was sich so im Laufe der Jahre angesammelt hat, in Schachteln zu verpacken und an einen anderen Ort zu transportieren.
Es würde mir schon schwer fallen, jemandem zu glauben, der mir weiß machen möchte, dass ihm ein Umzug keinen Druck bereitet, dass er etwa keine Angst davor haben würde, ob da auch alles gut geht, die schönsten Stücke nicht etwa zu Bruch gehen, ob die Möbel auch rechtzeitig angeliefert werden, die Wohnung zum ausgemachten Zeitpunkt auch wirklich fertig wird. Umziehen tut man kurz gesagt nicht gerne. Das ist vielmehr eines von diesen notwendigen Übeln, an die man am liebsten überhaupt nicht denken möchte...
Mittlerweile verstehen wir das ganz gut. Und deshalb kann man auch das verstehen, was Jesus wohl damit sagen möchte, wenn er im heutigen Evangelium vom Umziehen spricht. Das ist mir früher so gar nicht aufgefallen, aber Jesus vergleicht ja in dieser Stelle, die wir gerade eben gehört haben, das Sterben, den Tod des Menschen, tatsächlich mit einem Umzug! Er spricht davon, dass er uns vorausgeht, dass er hingeht um eine Wohnung zu bauen, um uns im Hause seines Vaters eine Wohnung einzurichten. Und in diese Wohnung, sollen wir dann einziehen, wenn sie fertig ist, dann sollen wir ihm dorthin folgen, in diese neue Wohnung umziehen. Sterben für Jesus ist das offensichtlich so etwas wie Umziehen.
Das ist großartig, dieses Bild zeugt von einer ganz großen Menschenkenntnis. Jesus weiß ganz genau, dass ein Wohnungswechsel für uns Menschen nichts Schönes ist. Er weiß darum, dass uns so etwas Druck und Bauchschmerzen bereitet. Und wenn er vom Sterben im Bild vom Umzug spricht, dann nimmt er offensichtlich ganz deutlich zur Kenntnis, dass wir Angst haben, dass uns unser Sterben und unser Tod Angst macht. Gott weiß sehr wohl darum, dass auch für den Christen der Tod eine schaurige, ja traurige Sache ist, verbunden mit viel Leiden und Trauer.
Es stimmt also nicht ganz, wenn manche sagen, die Christen, die müssten doch freudig auf den Tod zugehen. Christen haben schließlich eine Hoffnung, und deshalb müssten sie sich doch auf das Jenseits freuen, deshalb dürften sie doch keine Angst vor dem Sterben haben. Das stimmt ganz offensichtlich nicht! Christus weiß darum, was Sterben für uns Menschen bedeutet.
Auch wenn uns die Botschaft vom neuen Leben, das uns Christus bereitet, die Botschaft vom Reich Gottes, diesem Ort, wo es dann kein Leid und keinen Schmerz mehr geben wird, auch wenn uns diese Botschaft noch so fasziniert, der Gedanke, dass wir zuvor sterben werden, dass wir davor durch den Tod wie durch solch einen Umzug hindurchgehen müssen, dieser Gedanke, der wird Menschen immer Furcht und Entsetzen einflößen. Und das ist normal, das ist kein Zeichen von schwachem Glauben, das gehört zu uns Menschen dazu, und Jesus weiß darum. Diese Furcht kann auch er uns im letzten nicht ganz wegnehmen.
Er weiß aber, was uns bei all diesen Ängsten noch am ehesten hilft. Und genau das versucht er seinen Jüngern im heutigen Evangelium deutlich zu machen. Wenn es um einen Wohnungswechsel geht, dann ist noch am ehesten hilfreich, wenn man darum weiß, dass die Handwerker, die das neue zuhause richten, dass die zuverlässig sind, dass man sich wirklich auf sie verlassen kann. Und wenn es um einen Wohnungswechsel geht, dann ist es äußerst hilfreich, wenn man darum weiß, dass das ganze Projekt in der Hand eines guten Architekten ruht. Das nimmt einem nicht die Angst vor dem Umzug, aber es beruhigt, es lässt einen gelassener, etwas ruhiger in diese ungewisse Zukunft blicken.
Darum weiß Jesus sehr wohl, Er weiß darum, dass er uns die Angst vor dem Sterben im letzten nie ganz nehmen kann. Aber er macht uns deshalb ganz besonders deutlich: Das mit der neuen Wohnung, das mit eurem neuen Zuhause, das geht in Ordnung. Vertraut darauf, dass da mit Sicherheit nichts schief gehen wird. Denn dieses neues Zuhause, das liegt in der Hand eines guten Architekten.
Jesus selbst ist dieser Architekt. Er ist der Architekt dieses neuen Lebens. Er selbst geht hin, um für uns dieses neue zuhause beim Vater zu schaffen. Und selbst wenn uns der Umzug dorthin, wenn uns das Sterben eine noch so große Gänsehaut bereitet. Auf dieses neue zuhause, darauf dürfen wir uns freuen, denn davon können wir ausgehen, bei diesem Architekten, wenn Jesus selbst die Planung übernommen hat, wenn Gott selbst die Bauaufsicht führt, dann kann da wirklich am Ende absolut nichts schief gehen.
Es gibt so viele österliche Lider, die mit Freude erfüllt sind.
Christus ist auferstanden. Für uns auferstanden. Amen.
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