Sonntag, 13. April 2008

Die Berufungen im Dienst der Kirche in ihrer Sendung

Liebe Gäste,
Die Kirche ist als ganze und in jedem Menschen missionarisch. Die missionarische Dimension der Kirche ist aber besonders und sehr eng mit der priesterlichen Berufung verbunden. Schon im Bund mit Israel vertraute Gott (den) auserwählten Männern, die von ihm berufen und in seinem Namen zum Volk gesandt wurden, die Sendung an, Propheten und Priester zu sein. Die Verheißungen, die unseren Vätern gemacht wurden, haben sich dann im Neuen Bund in Jesus Christus gänzlich erfüllt. Jesus erwählte sich in seinem öffentlichen Leben Jünger als enge Mitarbeiter im messianischen Dienst; zum Beispiel bei der Brotvermehrung, als er zu den Aposteln sagte: "Gebt ihr ihnen zu essen!" (Mt 14,16). Er hatte Mitleid mit den Menschen, denn als er durch die Städte und Dörfer zog, traf er viele, die müde und erschöpft waren "wie Schafe, die keinen Hirten haben" (vgl. Mt 9,36). Diesem Blick der Liebe entsprang seine Einladung an die Apostel: "Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden" (Mt 9,38) Und wer dem Ruf Jesu entsprechen will, muss mit Klugheit und Arglosigkeit jeder Gefahr und sogar den Verfolgungen gegenübertreten. Weil diese Jünger vom Herrn gesandt sind, erhalten die Zwölf den Namen "Apostel". Sie sind dazu bestimmt, durch die Straßen der Welt zu ziehen und als Zeugen des Todes und der Auferstehung Christi das Evangelium zu verkünden.
Am Anfang, wie auch später, ist es stets "die Liebe Christi", die die Apostel "drängt" (vgl. 2 Kor 5,14). Als treue Diener der Kirche, gehorsam dem Wirken des Heiligen Geistes, sind unzählige Missionare im Laufe der Jahrhunderte den Spuren der ersten Jünger gefolgt. Das Zweite Vatikanische Konzil sagt: "Obwohl jedem Jünger Christi die Pflicht obliegt, nach seinem Teil den Glauben auszusäen, beruft Christus der Herr aus der Schar der Jünger immer wieder solche, die er selbst will, damit sie bei ihm seien und er sie zur Verkündigung bei den Völkern aussende (vgl. Mk 3,13-15)" (Dekr. Ad gentes, 23). Die Liebe Christi muss aber durch das Beispiel und mit Worten, mit dem ganzen Leben vermittelt werden. Unter den Personen, die sich ganz dem Dienst am Evangelium hingeben sollen, sind Priester, die berufen sind, das Wort Gottes weiterzugeben, die Sakramente zu spenden, besonders die Eucharistie und die Versöhnung, die sich dem Dienst an den Geringsten widmen sollen, an den Kranken, den Leidenden, den Armen und an denen, die schwere Zeiten durchmachen in Regionen der Erde, wo es manchmal viele Menschen gibt, die noch heute keine wirkliche Begegnung mit Jesus Christus hatten. Zu ihnen sind die Missionare eingeladen, die erste Verkündigung seiner erlösenden Liebe zu tragen.
Heute danken wir Gott besonders für die vielen Priester, die Leiden bis zum Opfer des eigenen Lebens ertragen haben, um in der ganzen Welt Christus zu dienen.
Von alters her gibt es in der Kirche nicht wenige Männer und Frauen, die, vom Wirken des Heiligen Geistes bewegt, sich entschließen, das Evangelium radikal zu leben, indem sie die Gelübde der Keuschheit, der Armut und des Gehorsams ablegen. Diese Ordensmänner und Ordensfrauen, die zahllosen Instituten des kontemplativen und aktiven Lebens angehören, haben "bisher den größten Anteil an der Evangelisierung der Welt" (Dekr. Ad gentes, 40). Mit ihrem gemeinschaftlichen Gebet halten die Ordensleute Fürbitte für die ganze Menschheit.
Damit die Kirche auch weiterhin die ihr von Christus anvertraute Sendung ausüben kann, ist es notwendig, dass wir in unseren Gemeinden die ständige Erziehung der Kinder und Erwachsenen zum Glauben niemals nachlassen und ein aktiver Sinn für die missionarische Verantwortung mit den Völkern der Erde aufrechterhalten. Durch das Geschenk des Glaubens sind wir alle berufen, an der Evangelisierung mitzuarbeiten. Dieses Bewußtsein muß aber genährt werden: durch die Katechese, durch die Liturgie und eine ständige Erfahrung des Gebets; d.h. es muss verstärkt werden durch die Übung der Annahme, der Nächstenliebe, der geistlichen Begleitung, der Reflexion und der Entscheidungsfindung
Liebe Schwestern und Brüder,
Nur in einem geistlich gut bestellten Acker gedeihen die Berufungen zum Priesteramt und zum geweihten Leben. Deswegen sollen die christlichen Gemeinden (natürlich auch unsere Gemeinde) sich bemühen, die missionarische Dimension des Geheimnisses der Kirche in der Tiefe zu leben, um niemals die Tendenz zu haben, sich in sich selbst zurückzuziehen. Die Sendung als Zeugnis der Liebe wird besonders wirkmächtig, wenn sie in Gemeinschaft geteilt wird, "damit die Welt glaubt" (Joh 17,21). Das Geschenk der Berufungen ist also das Geschenk, das wir jeden Tag vom Heiligen Geist erbitten sollen.
Wie in ihren Anfängen versammeln wir uns in der kirchlichen Gemeinschaft um die Jungfrau Maria, Königin der Apostel, und lernen wir von ihr, den Herrn um eine Blüte neuer Apostel zu bitten, die es verstehen, selbst den Glauben und die Liebe zu leben, die für die Sendung notwendig sind. Amen.

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